Was sind Faszien?

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Fast jeder hat schon mal eine Faszie gesehen, zum Beispiel beim Zubereiten eines Hähnchenfilets. Die milchig-weißen Häute, die häufig das Filet umspannen, das sind die Faszien des Hähnchens.

Auch wir Menschen haben Faszien. Die dünnen Häute aus Bindegewebe umhüllen im Inneren unseres Körpers jeden Knochen, jeden Muskel, jedes Organ und sogar jeden Nerv und jede Sehne. Sie bilden ein Geflecht, das den ganzen Körper durchzieht, alles miteinander verbindet und dort fixiert, wo es hingehört.

Faszien – das Netz im Körper

Ohne Faszien würden wir zu einem Haufen Einzelteile zusammenfallen. Sie stabilisieren unseren Körper, halten ihn aufrecht und geben ihm seine Form – deswegen werden Faszien auch das „Organ der Form“ genannt.

Gleichzeitig sind Faszien so elastisch, dass sich die Position der Organe bei Bedarf verändern kann. So wird zum Beispiel Platz für die Atmung und die Verdauung gemacht und während einer Schwangerschaft hat das Kind im Mutterleib ausreichend Raum zur Verfügung.

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Der Begriff Faszie kommt aus dem Lateinischen. Die deutsche Übersetzung des Begriffs, nämlich „Band“ oder „Bündel“, gibt einen Hinweis auf die Form der Faszien. Faszien sind bandförmiges, sehr reißfestes Bindegewebe bestehend aus Kollagen, Elastin, Wasser und Eiweiß-Zucker-Verbindungen.

Dieses Gewebe kann hauchdünn oder mehrere Millimeter dick sein. Im Körper sind die Faszien zu verschiedensten Formen verwoben – so findet man nicht nur verschieden starke und lange Faszien-Stränge im Körper, sondern auch Beutel und Umhüllungen, die Organe, Knochen, Muskeln und Co. umgeben und fixieren.

Welche Funktion haben Faszien?

Lange Zeit dachte man, Faszien hätten außer dem Zusammenhalten des ganzen Körpers keine wichtige Funktion. Heute ist klar, dass Faszien mehr sind als reines Verpackungsmaterial. Wissenschaftler, die Faszien genauer unter die Lupe genommen haben, konnten weitere Funktionen von Faszien ausmachen, die eine große Rolle für unseren Körper spielen:

Faszien übertragen die Muskelkraft

Das Fasziennetz, das unseren Körper durchzieht, verbindet Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänder miteinander. Es schafft damit die Voraussetzung, um die Muskelkraft auf die einzelnen Körperteile zu übertragen.

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So haben wir es beispielsweise den Faszien zu verdanken, dass sich der Unterarm tatsächlich hebt, wenn wir den Bizeps anspannen. Außerdem sorgen die Faszien auch dafür, dass wir in der Lage sind mehr Kraft aufzubringen, als unsere Muskeln erzeugen können.

Dies gelingt mithilfe des Prinzips der Energiespeicherung, auch Katapult-Effekt genannt: Beim Gehen zum Beispiel werden die Faszien in dem Fuß, der gerade auf dem Boden steht, gedehnt und damit leicht vorgespannt.

Wenn wir diesen Fuß dann schließlich zum nächsten Schritt anheben, löst sich diese Dehnspannung und erzeugt dabei Kräfte – genau wie ein Gummiband, das man auseinander zieht und dann loslässt. Dieses Prinzip hilft auch Kängurus weiter zu springen als sie es allein mithilfe ihrer Beinmuskeln könnten.

Faszien schützen vor Verletzungen und Krankheiten

Faszien schützen uns vor Verletzungen – allerdings nur, wenn sie gut in Form sind, denn dann sind sie elastisch und trotzdem belastbar. Elastische Faszien lassen Knochen, Gelenke, Bänder und Muskeln geschmeidig aneinander vorbei gleiten und trotzdem den für sie vorgesehenen Bewegungspielraum nicht überschreiten. Unseren Faszien haben wir es zu verdanken, dass wir uns beim Tennis in der Regel nicht die Schulter auskugeln. Außerdem federt unser Fasziennetz harte Stöße ab, sodass ein Sturz oder Sprung nicht direkt zum Knochenbruch führt.

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Ein intaktes Fasziennetz hat auch eine Abwehrfunktion: Es bildet eine Barriere, die es Fremdkörpern erschwert in Organe und Co. einzudringen. Außerdem können sogenannte Fresszellen in den Faszien tote Zellen und Krankheitserreger auffressen und so bekämpfen.

Faszien speichern Wasser und leiten die Lymphe

Das Fasziengewebe kann sehr gut Wasser binden und dient daher als Wasserspeicher im Körper. Voraussetzung für diese Funktion ist, dass wir genug trinken. Empfehlenswert sind mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag, am besten Mineralwasser ohne Kohlensäure oder Leitungswasser.

Die Lymphe ist eine Körperflüssigkeit, die zwischen den Faszien fließt und den Körperzellen als eine Art Lieferservice und Müllabfuhr dient. Sie versorgt einerseits die Körperzellen mit Nährstoffen und transportiert andererseits Stoffwechselabfallstoffe und Schadstoffe ab.

Damit die Lymphe fließen kann, müssen wir uns zwingend ausreichend bewegen. Tun wir das nicht, kann es zu einem Stau der Lymphe kommen und die Zellen werden dementsprechend nicht mehr ausreichend versorgt. Außerdem kann ein Lymphstau auch dazu führen, dass die Faszien verkleben.

Faszien bilden unser größtes Sinnesorgan

Das Fasziengewebe enthält zahlreiche Nervenenden, die Informationen weitergeben. Die Informationen wirken auf unser autonomes Nervensystem – ein Nervensystem, über das wir keine bewusste Kontrolle haben und das selbstständig lebenswichtige Funktionen im Körper regelt, zum Beispiel die Atmung oder die Verdauung. Auch Schmerzsignale können die Nervenenden in den Faszien senden.

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Außerdem ist das Fasziennetz maßgeblich am sogenannten Körpersinn, auch Propriorezeption genannt, beteiligt. Dieser Sinn liefert uns kontinuierlich Informationen über unsere Bewegungen und unsere Haltung und setzt sie in Beziehung zur Umwelt.

Stehe ich gerade? Sind meine Bewegungen beim Tanzen fließend? Wie schwer ist der Rucksack, den ich trage? Wie hart ist der Stuhl, auf dem ich sitze? All diese Informationen erhalten wir durch den Körpersinn. Ohne ihn könnten wir unsere einzelnen Körperteile nicht mehr koordinieren.